Was kostet ein Hochzeits-DJ?

 

In Online-Foren und in Facebook-Gruppen zum Thema Hochzeiten gibt es immer wieder Fragen zu den Kosten für einen Hochzeits-DJ. Die Antworten gehen sehr weit auseinander und liegen meist irgendwo zwischen 300 € und 3000 €. Damit ihr euch einen besseren Überblick verschaffen könnt, versuche ich mal zu beschreiben, was ihr in den unterschiedlichen Preisklassen ungefähr erwarten könnt. 

 

Zunächst aber eine kleine Einführung in die Finanzen von selbstständig arbeitenden DJs:

 

Ruft ein DJ eine Gage von 1000 € oder mehr für eine Hochzeit auf, klingt das für Außenstehende meist nach wahnsinnig viel Geld. Dass Preise im vierstelligen Bereich aber völlig gerechtfertigt sein können, möchte ich euch mit folgenden Punkten zeigen:

  • Berücksichtigt man alle Steuern (inkl. Mehrwertsteuer), drückt der DJ knapp die Hälfte seiner Gage ans Finanzamt ab.
  • Vollzeit-DJs müssen sich selbst krankenversichern (meistens privat) und fürs Alter vorsorgen. Je nach Versicherung und Vorsorge gehen dafür weitere 15% der Einnahmen drauf. 
  • "Netto" bleiben einem Vollzeit-DJ dann etwa ein Drittel seiner Einnahmen. 
  • Mit Ein- und Ausladen der Technik, Anreise, Aufbau, Auflegen, Abbau und Heimreise ist ein DJ ist für eine normale Hochzeit etwa 16 bis 20 Stunden auf den Beinen. Rechnet man die Vorbereitung und den Aufwand für Planung, Abrechnung, Buchführung, Werbung, Akquise etc. hinzu, kommt man schnell auf 25 bis 30 Arbeitsstunden für eine Hochzeit. Ein DJ mit zwei Buchungen pro Woche (z.B. Freitag und Samstag)  arbeitet also länger als ein Vollzeit-Angestellter. 
  • Ein guter DJ hat bei einer Hochzeit DJ-Equipment sowie Licht- und Tontechnik im Wert von mehr als 5.000 € im Einsatz - und das ist nur die Standard-Technik ohne Extras. Diese Technik muss er kaufen, lagern und in regelmäßigen Abständen erneuern, damit alles zuverlässig funktioniert. 
  • Seriöse DJs bezahlen für ihre Musik und laden sie nicht illegal aus dem Netz. Für eine halbwegs brauchbare Musiksammlung mit den wichtigsten Party-Klassikern kommen da schnell ein paar hundert Euro zusammen. Jeden Monat kauft der DJ neue Lieder, um sein Repertoire aktuell zu halten und zu erweitern. Wünscht sich ein Brautpaar vor der Hochzeit ein paar Lieder, die der DJ noch nicht besitzt, kauft er sie ebenfalls - auch wenn er sie später nie wieder braucht. 
  • Der DJ hat Reisekosten. Er braucht ein großes Auto, das mehr Sprit verbraucht und in der Anschaffung und im Unterhalt meist mehr kostet, als z.B. ein Kleinwagen. Manche DJs mieten sich für ihre Gigs auch Transporter. Bei längeren Buchungen oder größeren Entfernungen zum Veranstaltungsort benötigt der DJ ausserdem ein Hotelzimmer. Auch diese Kosten müssen mit einkalkuliert werden. 
  • Der DJ hat laufende Kosten für Werbung, Steuerberater etc.
  • Der DJ kann meist nur am Wochenende Geld verdienen. Durch die Corona-Einschränkungen, die DJs gerade im Herbst und Winter das Leben schwer machen, hat sich zudem die Zahl der Wochenenden, an denen die DJs arbeiten können, drastisch reduziert. 
  • Auch vor DJs machen Inflation und Komplikationen in den Lieferketten nicht halt. Nicht nur die Lebenshaltungskosten steigen spürbar an, auch die Preise für Equipment haben zuletzt stark angezogen. Beispiel gefällig? Im Herbst 2021 ist der Preis für den Denon Prime 4 - einer der derzeit beliebtesten DJ Controller - über Nacht um mehr als 15% von rund 1.800 € auf 2.100 € gestiegen (und zwar bei praktisch allen Händlern gleichzeitig!). Die extrem langen Lieferzeiten zwingen viele DJs ausserdem dazu, ihr Equipment nicht dort zu kaufen, wo es am günstigsten ist, sondern dort, wo sie es auch in absehbarer Zeit geliefert bekommen. Das gilt insbesondere dann, wenn defektes Equipment kurzfristig ersetzt werden muss. 

Ein bekannter DJ-Kollege, der Vollzeit auflegt, hat mir einmal vorgerechnet, dass er bei acht Buchungen im Monat, also jeden Freitag und jeden Samstag, pro Buchung mindestens 1.250 € einnehmen muss, um gut davon leben und Reserven fürs Alter bilden zu können. Hier die (stark vereinfachte) Rechnung für einen Monat mit voller Auslastung:

 

Einnahmen: 8 x 1.250 € = 10.000 €

Abzüglich Steuern: ca. 4.500 €

Abzüglich Versicherungen und Altersvorsorge: ca. 1.500 €

Abzüglich betriebliche Kosten (Werbung, Steuerberater, Material, Musik): ca. 500 €

Abzüglich Reisekosten: ca. 800 €

Netto-Einkommen: 2.700 €

 

Obwohl der DJ an einem Abend also über 1.000 € einnimmt, entspricht sein monatlich verfügbares Einkommen am Ende in etwa dem eines Lehrers. Und das bei voller Auslastung mit 50 bis 60 Arbeitsstunden und praktisch ohne Schlaf am Wochenende. Dabei trägt der DJ gleichzeitig noch sämtliche unternehmerischen Risiken und hat keinen bezahlten Urlaub und keine Einnahmen im Krankheitsfall oder bei höherer Gewalt. 

 

Jetzt kommen wir aber zum eigentlichen Thema:

 

Was kostet ein DJ?

 

Dafür fasse ich für euch zusammen, was ihr in den einzelnen Preisklassen erwarten könnt:

 

200 - 400 €: Finger weg!

  • Viele DJs in dieser Preisklasse sind deshalb so günstig, weil sie sonst keine Buchungen bekommen würden. Und das hat oft seine Gründe:
    • Der DJ ist unerfahren
    • Der DJ ist schlecht
    • Der DJ hat aus anderen Gründen (Verhalten, Auftreten, Technikpannen, Unzuverlässigkeit usw.) einen schlechten Ruf und deshalb wenige Buchungen
  • Wenn bei Dumpingpreisen wie diesen Technik inklusive ist, ist diese meist billig (leise, schlechter Klang) und/oder veraltet (kann ausfallen)
  • Außerdem wird ein DJ in dieser Preisklasse kaum Geld haben, um Musik zu kaufen. Stattdessen verwendet er wahrscheinlich illegale MP3-Downloads oder qualitativ minderwertige Youtube-Rips (auf einer großen Anlage klingen die ganz schlimm...)
  • Es kann sein, dass der DJ schwarz arbeitet und seine Einnahmen nicht versteuert. Das kann unter Umständen auch für euch als Auftraggeber problematisch werden (Förderung von Schwarzarbeit etc.)
  • Oft erscheint der DJ erst kurz vor dem Hochzeitstanz und baut seine Technik vor versammelter Hochzeitsgesellschaft auf. Das kann die tolle Stimmung im Saal ganz schön stören. 
  • Bietet ein DJ in dieser Preisklasse mehr als das, hat er wahrscheinlich ein sehr großes Herz oder eine heftige Rechenschwäche. 

400 - 800 €: Wundertüte

  • Ist an eurer Location bereits Licht- und Tontechnik vorhanden, könnt ihr in dieser Preisklasse mit etwas Glück einen erfahrenen DJ finden, der an eurer Feier 6 bis 8 Stunden auflegt. Der DJ berechnet euch dann nur seine Reisekosten und die reine Spielzeit (sog. "Kofferjob"). Fragt ihn nach seinen Referenzen und erkundigt euch nach ihm. Zum Beispiel bei einer Location, an der er vor Kurzem aufgelegt hat.
  • Bietet der DJ für diesen Preis ein Komplettpaket inklusive Licht- und Tontechnik an, dürften einige der in der niedrigsten Preisklasse genannten Punkte zutreffen - also lieber nach einer Alternative umsehen.

800 - 1200 €: Solide Leistung

  • In dieser Preisspanne könnt ihr eine professionelle Leistung von einem erfahrenen DJ erwarten.
  • Für eine kurze Hochzeitsfeier bis zu 8 Stunden (z.B. 18:00 - 2:00 Uhr) mit Gesellschaften bis 100 Gästen könnt ihr in dieser Preisklasse DJs finden, die gut auflegen und professionelles Equipment mitbringen. 
  • Der DJ hat Mikrofone für Reden und Programmpunkte dabei und pegelt sie so ein, dass alle etwas hören und es gut klingt. 
  • Auch ein telefonisches oder persönliches Vorgespräch für Planung und Musik sollte drin sein.
  • Der DJ arbeitet auf Rechnung und bezahlt Steuern.
  • Bietet euch ein DJ in dieser Preisklasse deutlich mehr an (längere Spielzeit, Technik für größere Gesellschaften...), ist Vorsicht geboten. Seht euch den DJ genau an, besteht auf ein persönliches Treffen vor der Buchung und erkundigt euch bei seinen Referenzen nach ihm. 

Über 1200 €: Profi-Klasse

  • Die meisten DJs in dieser Preisklasse sind Profis. Einige von ihnen leben sogar komplett vom Auflegen. 
  • Der DJ trifft sich vor der Hochzeit mit euch (wenn möglich sogar direkt an eurer Location), um euch kennenzulernen und den Ablauf und die Musik zu besprechen. 
  • Der DJ bringt professionelle Technik mit und baut diese vor Eintreffen der Gäste auf.
  • Vom Eintreffen der Gäste im Saal bis zum Ende der Hochzeit läuft Musik - während Empfang und Essen meist vom Band, zum Tanzen legt der DJ dann "richtig" auf.
  • Bucht ihr verschiede Extras hinzu (Tontechnik für größere Hochzeitsgesellschaften, zusätzliche Sound-Anlage für den Außenbereich, Effekte wie Pyrotechnik oder Konfettikanonen etc.), können die Kosten für einen DJ mit der nötigen Veranstaltungstechnik auch weit über 2.000 € liegen. 

 

FAZIT:

Wie ihr seht lässt sich die Frage nach den Kosten für einen Hochzeits-DJ nicht so einfach pauschal beantworten. Es gibt viele Faktoren, die beim Preis eine Rolle spielen. Verlasst euch deshalb nicht auf die Angaben von anderen Brautpaaren, ohne zu wissen welche Leistung sie für ihr Geld bekommen haben. Es ist doch klar, dass eine kleine Hochzeit mit 50 Gästen (2 Lautsprecher, wenig Licht, kurzer Aufbau) und 8 Stunden Spielzeit deutlich günstiger ist, als eine 12-Stunden-Feier mit 150 Gästen (4 Lautsprecher, viel Licht, langer Aufbau). Gerade die Dauer der Hochzeit und der Zeitaufwand für den Aufbau der benötigten Technik wirken sich erheblich auf den Preis aus. 

 

Ich hoffe, ich konnte euch einen nützlichen Überblick bieten. Natürlich handelt es sich hier nur um Beispiele. Es gibt sicher auch den einen oder anderen guten DJ, der für weniger als 400 € auflegt. Und es gibt bestimmt auch schlechte DJs, die vierstellige Beträge für einen Abend verlangen. Hört auf euer Bauchgefühl und forscht ein wenig nach. Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob der DJ das bietet, was ihr braucht, ist es besser sich nach einer Alternative umzusehen. 

 

Denkt daran: Es geht um euren großen Tag - und den gibt euch niemand zurück, wenn etwas schief läuft. Der DJ hat einen sehr großen Einfluss auf die Stimmung an eurer Feier. Habt ihr einen DJ gefunden, bei dem ihr sicher seid, dass er zu euch passt, solltet ihr nicht über 100 € mehr oder weniger nachdenken, sondern bei knappem Budget lieber an anderer Stelle sparen. 

 

 

Mehr Tipps, wie ihr einen guten Hochzeits-DJ findet, habe ich hier für euch zusammengefasst. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Admiral_Lol (Donnerstag, 16 Juni 2022 09:56)

    Nunja, ich nehme auch nur 300-350€ für einen Abend (5-7h). Allerdings wirklich nur als Kofferjob (inkl. gutes Roland Pult, Macbook Pro, Serato DJ) das bedeutet die Anlage wird von befreundeten Agenturen gestellt und Warmup-Musik spielt bereits. Muss mich nur rein- und rausstöpseln.

    Ich habe 10+ Jahre Erfahrung, ein ‚Kleingewerbe‘ und mache es teils mit Rechnung, teils per Cash. Vieles läuft über Empfehlungen unter Kollegen in 50km Umkreis, man kennt meistens einen Teil der Gäste. Unter all diesen Umständen finde ich meinen Preis OK und ganz sicher nicht ‚Dumping‘. Wäre es mein Haupteinkommen - andere Story.

  • #2

    Felix Krüger (Donnerstag, 16 Juni 2022 10:58)

    Hi Admiral_Lol,

    Danke für deinen Kommentar! Klar, unter diesen Umständen gehen solche "Freundschaftspreise" in Ordnung.

    Du schreibst ja auch selbst, dass es bei dir reine Kofferjobs ohne Licht- und Tontechnik sind. Letztendlich kommst du (wenn man die reine Spielzeit betrachtet) auf ca. 50€ Stundenlohn - und das als Kleingewerbe mehr oder weniger steuerfrei. Und wie du selbst sagst, geht das für dich so auch nur klar, weil das Auflegen nicht dein Haupteinkommen ist.

    Wie in meinem Fazit erwähnt, dient die Auflistung oben nur als grobe Orientierung und es gibt sicher Ausnahmen wie dich, die auch für kleines Geld einen guten Job machen. Aber es sind meiner Erfahrung nach eben eher Ausnahmen.

    Liebe Grüße
    Felix