Der große Tag: Eine Hochzeit aus Sicht eines DJs

Entspannt ein paar Stunden Auflegen - das war's. So sehen viele die Arbeit eines Hochzeits-DJs. Doch hinter einer gelungenen Party auf einer Hochzeit steckt viel mehr und die Zeit hinterm DJ-Pult macht nur einen Bruchteil des Jobs eines guten Hochzeit-DJs aus. Ich nehme euch heute mit auf eine meiner Hochzeiten und zeige euch, was alles zu den Aufgaben eines Hochzeits-DJs gehört. 

 

Die Vorbereitung

 

Los geht das Ganze schon Monate vor der Hochzeit. Das Brautpaar kontaktiert mich mit einer losen Anfrage. Abgesehen vom Namen der Braut, dem Termin und der Location habe ich noch keine weiteren Infos. Ich vereinbare einen Termin mit den beiden. Früher habe ich die Brautpaare zum Kennenlernen gerne auf einen Kaffee oder ein Bier zu mir nach hause eingeladen. In Zeiten der Pandemie bevorzugen die meisten aber lieber einen Videocall über Zoom oder Facetime. Wir besprechen die Details zur Feier: Buchungsdauer, benötigte Technik, besondere Wünsche wie Beamer und weitere Extras und natürlich welche Musik das Brautpaar gerne hören möchte. 

 

Nach dem ersten Kennenlernen überlege ich mir, ob ich den Wünschen des Brautpaars gerecht werden kann und schreibe ein unverbindliches Angebot. Jede Feier ist anders und ich stelle meine Leistungs- und Technikpakete für jede Buchung individuell zusammen. So spare ich mir den Transport und Aufbau von unnötigem Equipment und das Brautpaar spart Geld. 

 

Nach der Zusage des Brautpaars geht es an den Buchungsvertrag. Hier ist alles wichtige festgehalten: Wann komme ich zum Aufbauen? Welche Technik ist inklusive? Wie lange ist die Spielzeit? Welche Voraussetzungen muss mein Arbeitsplatz vor Ort erfüllen, damit ich meinen Job machen kann? Wann und wie wird bezahlt? Welche Stornobedingungen gelten? Und noch vieles mehr... Der Buchungsvertrag ist für beide Seiten sehr wichtig, denn er definiert genau, welche Leistungen das Brautpaar von mir erwarten kann und was ich vor Ort benötige, um einen guten Job zu machen. Im Zweifel kann sich jede Seite auf den Vertrag berufen. Das gibt sowohl dem Brautpaar, als auch mir Sicherheit, falls doch mal etwas schief laufen sollte. 

 

Einige Tage später kommt der unterschriebene Buchungsvertrag vom Brautpaar zurück. Ausserdem haben mir die beiden schon mal eine kleine Liste mit ihren Liedwünschen zukommen lassen. Jetzt starte ich mit der musikalischen Vorbereitung für den Abend. Ich gleiche die Liste mit meiner Musiksammlung ab und kaufe die fehlenden Lieder. Danach erstelle ich eine Playlist aus den Liedern und ergänze die Liste durch ähnliche Lieder. Natürlich werde ich an der Hochzeit nicht einfach diese Playlist durchspielen, aber sie liefert mir eine sehr gute Orientierung, was mich musikalisch erwarten wird.

 

Eine Woche vor der Hochzeit melden sich die Trauzeugen der beiden bei mir. Sie haben ein Spiel geplant, für das sie ein paar bestimmte Lieder brauchen. Auch diese Wünsche gleiche ich mit meiner Mediathek ab und besorge die fehlenden Lieder. 

 

Der Hochzeitstag: jetzt wird es ernst

 

Für mich beginnt der Hochzeitstag um 11 Uhr mit dem Beladen meines Vans. In meinem Lager suche ich die benötigte Technik zusammen und packe alles ins Auto. Danach geht es noch kurz unter die Dusche, damit ich so frisch es nur geht vor Ort ankomme. Nach der Dusche gibt's noch einen Espresso und um 12:30 bin ich bereit zur Abfahrt. 

 

Eine Stunde später komme ich an der Location an und stelle mich kurz vor. Der Wirt zeigt mir meinen Platz. Leider hat der Fotograf sein Fotobox-Equipment dort "zwischengeparkt" und ich muss meine DJ-Ecke erstmal frei räumen. Für solche Fälle kalkuliere ich immer etwas Extra-Zeit für den Aufbau ein, damit auf jeden Fall alles steht, wenn die Hochzeitsgesellschaft eintrifft. Danach beginne ich mit dem Ausladen und Aufbauen. Die Ankunft der Gesellschaft ist für 16 Uhr geplant und das Brautpaar wünscht sich Musik zum Sektempfang im Freien. Deshalb stelle ich zuerst meine Akku-Lautsprecher vor der Location auf, damit das schon mal erledigt ist. Danach baue ich die Anlage und mein Licht an der Tanzfläche im Innenbereich auf und leuchte den Saal mit meinen Ambientelichtern aus. Um 15:30 steht alles und ich mache meinen Soundcheck. 

 

Kurz vor vier treffen die ersten Gäste ein. Ich starte die Musik für den Sektempfang und versuche schon mal, mit dem einen oder anderen Gast ins Gespräch zu kommen. Mir ist es wichtig, vor dem Hochzeitstanz möglichst viele Gäste kennenzulernen. Jede Hochzeit ist anders und je mehr Gäste ich vor dem Auflegen kennenlerne, desto besser kann ich später einschätzen, welche Musik sie gerne hören wollen. Ausserdem gibt es bei fast jeder Gesellschaft ein paar treibende Leute, die die anderen beim Feiern mitreißen können und damit für eine gute Dynamik auf der Tanzfläche sorgen. Ich versuche genau diese Leute zu identifizieren und einen möglichst guten Draht zu ihnen zu bekommen. Was für Aussenstehende wie entspannter Smalltalk aussieht, ist für mich gewissermaßen Teil meines Jobs. 

 

Gegen 18 Uhr geht es dann mit dem Abendessen im Innenbereich weiter. Ich gebe dem Brautpaar Mikrofone und weise die beiden kurz ein, damit sie ihre Begrüßungsansprache halten können. Ich selbst darf beim Abendessen Platz an einem Tisch mit engen Freunden des Brautpaars nehmen. Das ist super für mich und war so im Vorfeld mit dem Brautpaar abgesprochen, denn auch hier kann ich schon mal etwas vorfühlen, wohin die musikalische Reise später gehen soll. Solange ich am Tisch sitze läuft aus den Lautsprechern eine vorher von mir angelegte Playlist mit entspannter Hintergrundmusik die ich in Abstimmung mit dem Brautpaar ausgewählt habe.

 

Zwischen den Gängen gibt es verschiedene Programmpunkte: Der Brautvater hält seine Rede und die Trauzeugen starten ihr Spiel, zu dem ich die passende Musik liefere. Nach dem Hauptgang gehe ich wieder hinters DJ-Pult und beginne mit dem Auflegen. Für mich ist es wichtig, zum Dessert schon langsam die Intensität der Musik zu steigern. So bringe ich die Gäste behutsam in Tanzlaune und kann schon mal ein wenig beobachten, wie einzelne Gäste auf verschiedene Songs reagieren. Immer wieder gibt es einen Daumen nach oben in meine Richtung, der eine oder andere wackelt am Tisch oder beim Anstehen am Buffet schon mal mit der Hüfte. All das sind wichtige Signale für mich, die mir später bei der Musikauswahl helfen. 

 

In Absprache mit mir hat sich das Brautpaar dazu entschlossen, die Hochzeitstorte schon zum Dessert zu servieren. Das ist für mich als DJ immer super, denn wenn später die Party durch Programmpunkte wie die Torte unterbrochen wird, ist das meistens nicht gut für die Stimmung auf der Tanzfläche. Zudem geht wichtige Zeit verloren, denn bis alle 100 Gäste ein Stück von der Torte bekommen und gegessen haben, kann gerne eine Stunde ins Land gehen. 

 

Nach dem Dessert gönne ich den Gästen noch eine kurze Verdauungspause, bevor  wir mit dem Hochzeitstanz die Tanzfläche eröffnen. Inzwischen ist es kurz vor 10 und es wird höchste Zeit. Die Großeltern sind schon müde und wollen bald ins Bett gehen, aber den Tanz wollen sie sich natürlich nicht entgehen lassen. Er ist der letzte offizielle Programmpunkt der Hochzeit und danach darf endlich ausgelassen gefeiert werden. 

 

Das Brautpaar hat extra eine Choreographie einstudiert, die super bei den Gästen ankommt. Nach dem Hochzeitstanz animieren die beiden ihre Gäste, auch auf die Tanzfläche zu kommen und es kann losgehen. Ich starte mit ein paar Klassikern für die älteren Gäste. Die jungen finden es klasse, dass auch Eltern, Tanten und Onkels auf der Tanzfläche sind und feiern mit. Nach einigen Hits aus den 60ern bis 80ern beginne ich dann, ein paar aktuelle Songs einzumischen. Immer auf dem Schirm: Der Wunschzettel des Brautpaars. 

 

Die Stimmung ist super und die Tanzfläche voll. Und dem einen oder anderen Gast merkt man langsam den Pegel an. Die Braut und ihre Freundinnen geben gerade Gas zu Britney und den Spice Girls, als ein guter Freund des Bräutigams kommt und mir "Nothing Else Matters" ins Ohr lallt. "Guter Song", entgegne ich, "aber das kann ich jetzt nicht spielen, das macht die Stimmung kaputt". Den Wunsch habe ich aber für später notiert, wenn der Song besser passt. Andere Wünsche kann ich sofort erfüllen, weil sie gerade super zu den letzten paar Liedern und der aktuellen Stimmung auf der Tanzfläche passen. Das ist immer der Idealfall und macht nicht nur mich, sondern auch die Gäste glücklich. So muss es sein!

 

Gegen 1:00 Uhr erreicht die Party ihren Höhepunkt. Die Ü-50 Generation hat sich wieder an die Tische gesetzt und schaut zu, wie das Brautpaar mit den engsten Freunden und der jüngeren Verwandtschaft zu ihren Lieblingssongs das Tanzbein schwingt. Etwas später macht sich bei immer mehr Gästen der Alkohol bemerkbar. Die Koordination leidet etwas, dafür werden die Gäste (vermeintlich) immer Textsicherer. Ich schwenke um und spiele verstärkt Lieder zum Mitsingen. Der Bräutigam und seine Jungs aus der ehemaligen Schulband mögen es gerne rockig. Jetzt bekommen sie, was sie brauchen: ein bisschen Ärzte, die White Stripes und "Teenage Dirtbag" sorgen für showreife Luftgitarren-Einlagen. Nach einer kurzen Verschnaufpause mit dem vorher gewünschten "Nothing Else Matters" wird es Zeit, die Mädels zurück auf die Tanzfläche zu holen. Die sind inzwischen auch bereit für etwas rockigeren Sound und so werden die beiden Geschlechter mit Coldplay, "Sex on Fire" und "Ein Kompliment" wieder vereint. 

 

Nach der Rock-Runde merke ich, dass die Energie bei den Gästen langsam nachlässt. Es ist inzwischen 2:30 Uhr und ich fange langsam an, Lied für Leid weiter vom Gas zu gehen. Die Braut ist großer Marteria-Fan und freut sich riesig, als ich mein Set nach "Jein" von Fettes Brot und "Butterfly" von Crazy Town mit "Lila Wolken" beende. 

 

 

Die Party ist vorbei

 

Ich schnappe mir um kurz nach 3 - zum ersten mal an diesem Abend - das Mikrofon und bedanke mich für den tollen Abend. Danach mache ich wieder leisere Hintergrundmusik an und während der harte Kern der Gesellschaft an einem der Tische platz nimmt, um die letzten angebrochenen Weinflaschen zu leeren, fange ich schon mal an, meine Lichttechnik abzubauen und einzuladen. Wenn beim Abbau noch Gäste im Saal sind, versuche ich solange wie möglich Musik laufen zu lassen und packe die Anlage als letztes ins Auto. Das kommt meiner Meinung nach immer besser, als ein abruptes Ende der Musik. 

 

Etwas später bin ich fertig mit Abbauen. Am Tisch wird die letzte Flasche geleert und das Brautpaar macht sich zusammen mit den letzten Gästen auf den Heimweg. Ich verabschiede und bedanke mich noch kurz bei den beiden. Sie sind wahnsinnig glücklich und müssen die vielen Eindrücke von der Feier erstmal sacken lassen. 

 

Inzwischen ist es 4:30 und ich sitze im voll beladenen Auto. Jetzt noch eine Stunde fahren und ich kann nach fast 20 Stunden auf den Beinen unter die Dusche und ins Bett. Am nächsten Tag wird dann noch das Auto ausgeladen und der Papierkram erledigt. Das Brautpaar hat vor Ort bar bezahlt und braucht noch eine Rechnung. Die braucht auch mein Steuerberater - auch das gehört (leider) dazu. Mit Vor- und Nachbereitung habe ich etwa 25 Stunden in diese Hochzeit gesteckt. So viel zum Thema "Entspannt ein paar Stunden auflegen" 😉

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