Müde hinterm DJ Pult? So halte ich mich beim Auflegen wach!

 

So schön der Job als DJ auch ist, er hat einen entscheidenden Nachteil: Man arbeitet meistens nachts. Im Alltag bringt das einige Schwierigkeiten mit sich. Denn gerade nach Wochenenden mit zwei Gigs startet man mit einem gehörigen Schlafdefizit in die neue Woche. Aber auch hinterm DJ Pult kann Müdigkeit ein ernstes Problem werden - vor allem wenn man mehrere Nächte in Folge spielt. Denn an den Decks ist höchste Konzentration gefordert. Deshalb widme ich meinen heutigen Blog Post meinen Schlafgewohnheiten. 

 

Es ist der Traum eines DJs: ein voller Terminkalender mit Bookings jeden Freitag und Samstag. Was wirtschaftlich sinnvoll ist und auch jede Menge Spaß macht, ist für Körper und Kopf Schwerstarbeit. Denn dem Paketboten, der mich am Montag um 8:30 Uhr aus dem Bett klingelt, ist es herzlich egal, dass ich zwei wirklich tolle, aber schlaflose Nächte hinter mir habe. Und das Brautpaar erwartet zurecht, dass ich an seiner Hochzeit genau so gut und konzentriert auflege wie beim Geburtstag am Vortag. 

 

Es sind Probleme, die jeder DJ kennt. Und jeder geht ganz anders damit um. Deshalb führe ich euch heute durch ein klassisches DJ-Wochenende mit zwei Buchungen: einen Geburtstag am Freitag und einer Hochzeit am Samstag. So seht ihr, wie ich mich in dieser Zeit wach und fit halte. 

 

Freitag: Geburtstagsfeier 

Freitag ist Geburtstagsfeiertag. Denn Geburtstagsfeiern sind im Gegensatz zu Hochzeiten meist reine Abendveranstaltungen. So kann jeder Tagsüber noch arbeiten gehen und am Abend trotzdem pünktlich zur Feier erscheinen. Die meisten guten Locations sind Samstags wegen der ganzen Hochzeiten auch schon lange im Voraus ausgebucht. Deshalb sind viele meiner Freitags-Gigs Geburtstagsfeiern.

 

Ich schlafe am Freitag Vormittag aus solange es geht und versuche dann so früh wie möglich meine Technik zur Location zu bringen und aufzubauen. Denn wenn ich früh genug fertig mit Aufbauen bin, habe ich danach noch Zeit für einen ausgiebigen Mittagsschlaf.

 

Wenn der Weg nicht zu weit ist, fahre ich zum Schlafen nach hause. Ansonsten lege ich mich einfach in meinen leeren Bus. Da schläft es sich dank getönten Scheiben und Faltmatratze auch ganz wunderbar. DJs nennen die kleine Siesta vor dem Start in den Abend übrigens auch "Disco Nap". Das finde ich sehr passend. 

 

Ich gehöre zum Glück zu den Menschen, die Nachmittags sehr gut schlafen können. In meinen früheren Bürojobs hat mir meine Schläfrigkeit am Nachmittag manchmal sehr zu schaffen gemacht. Als DJ ist diese Eigenschaft aber ein echter Vorteil. Denn sowohl das morgendliche Ausschlafen, als auch der ausgedehnte Mittagsschlaf dienen dem sogenannten Vorschlafen.

 

Es gibt wissenschaftliche Studien, die belegen, dass Vorschlafen tatsächlich funktioniert: Wer gut ausgeschlafen in eine Phase mit Schlafmangel geht, wird später nicht so schnell müde, zeigt weniger Konzentrationsschwächen, und erholt sich schneller.

 

Um 20:00 Uhr erscheine ich wunderbar ausgeschlafen und topfit zur Geburtstagsfeier und starte mein Set. Gegen 4:00 Uhr ist die Party vorbei und ich habe mein Equipment sicher im Van verstaut. Jetzt geht es ab nach hause ins Bett.

 

Samstag: Hochzeit

Um 10:00 Uhr klingelt der Wecker. Heute steht eine Hochzeit an. Das Brautpaar freut sich auf seinen großen Tag und die Erwartungen an mich als DJ sind natürlich hoch. Jetzt zahlt sich das Vorschlafen aus, denn obwohl ich nur halb so viel Schlaf hatte, wie ich eigentlich brauche, fühle ich mich nach dem ersten Kaffee und einer Dusche wieder fit. 

 

Für einen Mittagsschlaf ist heute keine Zeit. Mein Equipment ist vom Vorabend noch im Bus, so dass ich ohne großes Packen direkt abfahren kann. Auf dem Weg gönne ich mir ein deftiges Mittagessen. Ich esse vor Gigs lieber am Mittag groß und am Abend klein. So habe ich die nötige Power zum Aufbauen und am Abend reicht mir eine leichtere Mahlzeit. Ein voller Magen macht ganz schön träge und das kann ich beim Auflegen nicht gebrauchen.

 

Um 13 Uhr treffe ich an der Location ein. Für meinen Aufbau brauche ich etwa zwei Stunden. Außerdem kalkuliere ich immer eine Stunde Puffer ein, falls es bei der Anreise oder beim Aufbau Probleme gibt. Diese Stunde hat mich schon ein paar mal gerettet. Mal war es ein Stau bei der Anfahrt, mal hat der Hausmeister vergessen den Bühnenstrom anzustellen und war nicht auffindbar. Heute klappt alles und ich bin um 15 Uhr startklar. Jetzt habe ich noch eine Stunde Zeit bis die Hochzeitsgesellschaft eintrifft. Ich mache mich kurz frisch, ziehe mich um, suche mir ein gemütliches Plätzchen und entspanne mich bei einem alkoholfreiem Bier, bevor es losgeht. Alkoholfrei deshalb, weil ich das Brautpaar ungern mit einer Bierfahne begrüße. 

 

Stichwort alkoholfrei: Hier hat jeder DJ seine ganz eigenen Regeln. Während einige DJs erst nach dem fünften Drink in Schwung kommen, trinken andere beim Auflegen keinen einzigen Tropfen. Lasst mich ehrlich sein: Ich gönne mir bei Hochzeiten gerne ein Glas Sekt zum Empfang und stoße mit dem Brautpaar auf einen erfolgreichen Abend an. Einfach weil es eine nette Geste ist. Und ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich ein gutes Glas Wein zum Abendessen kategorisch ablehne.

 

Da ich nach dem Gig noch nach hause fahren muss,  gibt es für mich nach dem Abendessen keinen Alkohol mehr. Ich trinke stattdessen alkoholfreies Bier, weil es mir wirklich gut schmeckt, isotonisch ist und beim Zuprosten einfach besser in der Hand liegt als eine Flasche Wasser 🍻

 

Alkohol schadet übrigens auch dem Schlaf. Man schläft zwar schneller ein, aber dafür weniger tief und erholsam. Nach dem Abendessen, bei dem ich eigentlich immer das Dessert auslasse (Stichwort: leichte Kost), bestelle ich mir gerne einen doppelten Espresso. Der gibt mir noch mal einen kleinen Kick und ich bin startklar zum Auflegen.

 

Die Hochzeitsgesellschaft tanzt bis halb vier durch und der Abbau läuft wegen der einsetzenden Müdigkeit etwas träger ab, als am Vortag. Langsam merke ich das Schlafdefizit. Ich bin erst um 6:00 Uhr daheim. Für die Hochzeit war ich insgesamt 18 Stunden unterwegs, habe mich konstant konzentriert und bin die meiste Zeit gestanden. Das spüre ich spätestens jetzt. Ich gönne mir einen kleinen Snack und falle ins Bett. Einen Wecker stelle ich mir nicht. 

 

Sonntag: Klarkommen

Ich schlafe selten länger als bis 11 Uhr. Auch in abgedunkelten Räumen wache ich dann einfach auf. Einige Kollegen berichten mir, dass sie nach langen Gigs auch mal bis in den späten Nachmittag schlafen. Ich kann das einfach nicht.

 

Am Sonntag genieße ich meinen freien Tag und lade höchstens noch mein Equipment aus. Manchmal verschiebe ich das auch auf Montag. Den Mittagsschlaf spare ich mir, damit ich Abends schön müde bin. Stattdessen mache ich lieber ein bisschen Sport. Letztes Jahr habe ich das Golfen für mich entdeckt. Da ist man an der frischen Luft, bekommt den Kopf frei, strengt sich nicht übermäßig an und das Verletzungsrisiko ist nicht so hoch (Schon mal 'nen DJ mit Gipsarm gesehen?). Vor allem hat man aber seine Ruhe. Der perfekte Ausgleich zum Auflegen! Am Abend versuche ich gleich nach dem Tatort ins Bett zu gehen, um meinen Schlafrhythmus wieder zu normalisieren. Dann macht es auch nichts, wenn am Montagmorgen wieder der Paketbote klingelt. 

 

Ein befreundeter Barkeeper hat das Gefühl nach einem durchgearbeiteten Wochenende mal mit dem Jetlag nach einem Transatlantikflug verglichen. Ganz so schlimm ist es bei mir zum Glück nicht. Sicher auch wegen der kleinen Tricks, mit denen ich meinem Körper durch diese Zeit helfe. 

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