Warnung: So versuchen Betrüger DJs abzuzocken

 

Fast 20.000 €. So viel Geld hätte ich diese Woche beinahe verloren. Betrüger haben es gerade auf DJs und andere Dienstleister aus der Veranstaltungsbranche abgesehen. Klar, in der aktuellen Lage freuen wir alle uns über jede Buchung und schauen vielleicht mal nicht so genau hin wie wir sollten, wenn ein vermeintlich lukrativer Auftrag reinkommt. Wie die Betrüger vorgehen, um ihren Opfern das Geld aus der Tasche zu ziehen, möchte ich euch heute beschreiben - in der Hoffnung, dass andere DJs und Dienstleister aus dem Veranstaltungsbereich diesen Blog Post lesen und nicht auf diese Masche reinfallen. 

 

Los ging es Ende Juni mit einer zunächst sehr unscheinbaren Anfrage für eine Firmenfeier in meinem E-Mail Postfach:

 

 

Linda arbeitet für einen Hersteller von Laborgeräten in Barcelona. Die Firma veranstaltet in Freiburg eine Cocktailparty mit Corona-konformen 15 bis 20 Gästen. Bis jetzt nichts Verdächtiges. Ich habe Linda mit einigen Rückfragen zum benötigten Equipment geantwortet und ihr anschließend ein Angebot geschickt, das sie mir auch prompt bestätigt hat: 

 

 

Super, Linda bittet mich um eine Rechnung, die ich ihr auch gleich zuschicke. Da es sich um einen Firmenkunden aus dem Ausland handelt, bestehe ich auf Vorkasse per Überweisung - fällig vor der Veranstaltung. Ich möchte ja nicht meinem Geld hinterherrennen. Bisher ist der Vorgang völlig normal, aber ein paar Wochen später wird es dubios:

 

 

Linda behauptet, ihr Finanzdirektor sei verunglückt und liege im Koma. Das Problem: Er soll der Einzige im Unternehmen sein, der Überweisungen freigeben kann. Statt per Überweisung soll das Geld nun per Scheck zu mir kommen.

 

WTF? Ich bin Anfang 30 und hatte noch nie in meinem Leben einen Scheck in der Hand. Zuerst musste ich mal nachsehen, ob ich bei meiner modernen Online-Bank (N26) überhaupt Schecks einlösen kann (ja, kann ich).

 

Ausserdem hat Lindas Firma auch noch Mist gebaut und einen viel zu hohen Scheck ausgestellt. Er beinhaltet nicht nur mein Honorar, sondern auch noch das Geld für einen Touristenführer, der ebenfalls gebucht worden sein soll. Linda bittet mich, den überschüssigen Betrag an den Touristenführer zu überweisen, sobald ich den Scheck erhalten habe. In diesem Moment wurde ich mißtrauisch.

 

Das Unternehmen hatte ich inzwischen gegoogelt. Eine große Firma mit einem seriösen und professionellen Online-Auftritt. Es ist eigentlich unvorstellbar, dass es in solch einer Firma nur einen Mitarbeiter gibt, der Geld überweisen kann. Wie soll denn so ein Unternehmen arbeiten, wenn keine Überweisungen mehr getätigt werden können?

 

Ich entscheide mich die Füße erstmal stillzuhalten, bis der Scheck bei mir eintrudelt. Vor ein paar Tagen erhalte ich dann diese Mail von Linda:

 

 

Wie von Linda angekündigt habe ich ein wenig später einen Scheck im Briefkasten. Ausgestellt von der französischen Bank Crédit Acricole. Über 9.850,76 € - von denen ich mehr als 90% an den Touristenführer überweisen soll.

 

Inzwischen überschattet das Gefühl hier irgendwie verarscht zu werden die Freude über den lukrativen Auftrag komplett. Und die Frage wie die Masche funktioniert bringt mich immer mehr ins Grübeln. Als ich bemerke, dass Linda mir die ganze Zeit nicht von einer Firmenadresse, sondern von einem GoogleMail-Account geschrieben hat, beginne ich zu recherchieren und stelle fest, dass Banken geplatzte Schecks auch mehrere Tage später noch zurückbuchen können. Man hat das Geld also erstmal auf dem Konto, einige Tage später wird es aber wieder abgebucht. Jetzt ist mir klar, wie das Ganze funktioniert. 

 

So läuft der Betrug ab:

  1. Ich löse den Scheck bei meiner Bank ein
  2. Meine Bank akzeptiert den Scheck und schreibt mir die 9.850,76 € auf mein Konto gut
  3. Ich melde mich bei Linda und sage ihr, dass ich die Zahlung erhalten habe
  4. Linda nennt mir die Bankverbindung des Touristenführers, der *Trommelwirbel* mit ihr unter einer Decke steckt (vielleicht ist Linda auch selbst der Touristenführer...)
  5. Ich überweise dem Touristenführer seinen Anteil - etwas mehr als 9.000 €
  6. Einige Tage später teilt Crédit Acricole meiner Bank mit, dass der Scheck geplatzt ist
  7. Meine Bank bucht den vollen Betrag von 9.850,76 € wieder von meinem Konto ab
  8. Ich bin fast 20.000 € ärmer, Linda und ihr Touristenführer etwas mehr als 9.000 € reicher

Brutal, oder? Ich dachte eigentlich immer, dass ich mich was solche Dinge angeht nicht so leicht reinlegen lasse. Aber fast wäre ich auf Lindas Masche reingefallen.

 

Deshalb möchte ich heute andere Dienstleister aus dem Veranstaltungsbereich warnen. Linda ist bestimmt noch unter anderen Namen und für andere Firmen aktiv und probiert das Ganze sicher nicht nur bei DJs. Ich kann mir gut vorstellen, dass alle Arten von Entertainern betroffen sein können.

 

So schützt du dich vor Betrug:

  1. Sei mißtrauisch:
    Ich habe für den Gig eine verhältnismäßig hohe Gage abgerufen und bin davon ausgegangen, dass Linda noch versuchen wird, den Preis zu drücken. Stattdessen kam von ihr sofort eine Zusage. Eigentlich zu gut um wahr zu sein. Und genau das ist der Punkt. Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es meistens nicht wahr. 
  2. Überprüfe deine Kunden:
    Firmenkunden - gerade aus dem Ausland - sehe ich mir meistens etwas genauer an. Ich werfe einen Blick auf die Website und lese mir auch gerne mal Bewertungen auf Google durch. Dabei geht es mir erstmal darum herauszufinden, ob es die Firma wirklich gibt.
  3. Ruf mal an
    Wenn du Zweifel an der Identität deines Auftraggebers hast, solltest du das Handy in die Hand nehmen. Ruf aber nicht die Nummer aus der E-Mail Signatur des Auftraggebers an, sondern such dir die Nummer seiner Firma im Internet heraus und bitte dann darum, mit deinem Ansprechpartner verbunden zu werden. So findest du heraus, ob dein Ansprechpartner auch wirklich bei der Firma arbeitet. Eine Firma, deren Nummer man im Netz nicht findet, ist übrigens entweder unseriös oder nicht existent. 
  4. Akzeptiere keine Schecks
    Schecks sind nicht sicher. Akzeptiere unter keinen Umständen einen Scheck als Zahlungsmittel. Du bist der Auftragnehmer und du bestimmst wie der Kunde dich zu bezahlen hat. Am sichersten sind Überweisungen (Vorkasse) oder eben die gute alte Barzahlung vor Ort (erst auflegen, wenn du das Geld hast). 
  5. Sprich mit anderen darüber - auch mit der Polizei
    Vielleicht ist einem Kollegen ja schon Ähnliches passiert? Oder du hast einen Freund bei der Bank, der schon mal etwas in die Richtung mitbekommen hat? Oder deine Nachbarin hat neulich einen Beitrag im Fernsehen über eine neue Betrugsmasche gesehen? Erzähle einigen Leuten, denen du vertraust, was gerade bei dir los ist und hör dir ihre Meinung dazu an. Ich habe z.B. erstmal eine befreundete Polizistin angerufen, die mir direkt den richtigen Kontakt zur Kripo nennen konnte. Der Beamte dort konnte mir nach kurzer Rücksprache mit einem Kollegen bestätigen, dass es sich um eine gängige, der Polizei bekannte Betrugsmasche handelt.

Und jetzt?

 

Nichts. Anzeige werde ich nicht erstatten. Laut Polizei laufen die Auslandsermittlungen in solchen Fällen meistens ins Leere. Die Chancen die Betrüger zu fassen sind gleich Null. Ich habe zumindest nichts mehr zu befürchten, solange ich die Füße stillhalte. Der Scheck ist inzwischen sicher außerhalb meiner Wohnung verwahrt und verliert in ein paar Wochen seine Gültigkeit. Dann werde ich ihn mir einrahmen und ihn auf meinen Schreibtisch stellen - damit er mich immer daran erinnert wie ich einmal beinahe 20.000 € verloren hätte.

 

Update (10.08., 13:05 Uhr):

 

Inzwischen hat sich ein weiterer DJ bei mir gemeldet, der ebenfalls einen Scheck von Linda erhalten hat. Es steckt also tatsächlich System dahinter. Passt auf!

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Kommentare: 7
  • #1

    Dominik (Montag, 10 August 2020 17:24)

    Hey Felix!
    Kleiner Hinweis zum Rechenfehler im Text:
    Es müsste lauten: Ich bin um knapp 19000,- € ärmer, und der Touristenführer um mehr als 9000€ reicher.
    Denn du hast ja die etwas über 9000,-€ an der TF gezahlt und ZUSÄTZLICH werden die 9850,-€ ja wieder zurückgebucht.

  • #2

    Felix (Montag, 10 August 2020 19:38)

    Hey Dominik,
    danke für den Hinweis - daran hatte ich bei der Aufregung ja garnicht gedacht. Das macht's ja noch schlimmer! Ich habe den Text eben angepasst.
    VG
    Felix

  • #3

    der Bodo (Dienstag, 11 August 2020 13:08)

    Krasse Nummer!
    Danke für die Warnung - ich teile deinen Post gerne, um andere zu warnen!

    Steife Ohren! :-)

  • #4

    Mirco Köstring (Dienstag, 11 August 2020 17:16)

    Hai ! Die Anfrage bzw Buchung habe ich auch bekommen. Als die komische Mail mit dem Scheck kam habe ich aber direkt gesagt ... nur Überweisung und nix Scheck. Dann war Ruhe und es kam nix mehr. Echt krass das die es überall probiert haben.

  • #5

    Felix (Dienstag, 11 August 2020)

    @Mirco: Inzwischen haben sich so viele bei mir gemeldet... Echt verrückt! Gerade jetzt wo viele Djs am Kämpfen sind und jeden Cent in der Tasche brauchen.

  • #6

    Pete (Sonntag, 23 Mai 2021 17:05)

    Geld abheben und Konto schließen? :D

  • #7

    Felix (Sonntag, 23 Mai 2021 17:37)

    Ich glaube nicht, dass das gut gehen wird ;)